GSTT und VDRK mit neuem Veranstaltungsformat zur Inhouse-Sanierung Gemeinsames Weiterbildungsseminar am 19.02.2018 erfolgreich durchgeführt

Bild 1:	Großes Interesses am Weiterbildungsseminar zur Inhouse-Sanierung beim VDRK in Kassel
Bild 1: Großes Interesses am Weiterbildungsseminar zur Inhouse-Sanierung beim VDRK in Kassel

Gebäudeentwässerungen in Deutschland sind marode, der Sanierungsbedarf ist enorm. Für Unternehmen der Rohr- und Kanaltechnikbranche ergeben sich in diesem Markt neue Möglichkeiten, denn der Bedarf an Sanierungstechniken in geschlossener Bauweise steigt dynamisch an. Vor diesem Hintergrund hat der VDRK gemeinsam mit der GSTT nun den Mitgliedern beider Verbände ein spezielles Seminar angeboten, um Firmen das Rüstzeug für die Entwicklung dieses neuen Marktes zu vermitteln. Sanierungstechniken für Fallleitungen, Küchen- und Badezimmerleitungen standen dabei im Mittelpunkt. Neben der Sanierungspraxis wurden auch rechtliche und normative Randbedingungen behandelt. Die theoretischen Grundlagen wurden durch Baustellenbeispiele praxisorientiert veranschaulicht. Das Seminar wurde geleitet von Sebastian Beck, Sprecher der GSTT Arbeitsgruppe Nr. 5 „Gebäude- und Grundstücksentwässerung“.

Marktpotential von geschätzt über 20 Millionen Kilometern Leitungen …

Was die Gesamtlänge aller Abwasserleitungen im Gebäude angeht, sind belastbare Zahlen für Deutschland nicht bekannt. Erfahrungswerte zeigen, dass die Leitungen im Gebäude mindestens drei Mal länger als erdverlegte Grund- und Anschlussleitungen auf Grundstücken sind. Dies würde bedeuten, dass in Deutschland mindestens drei Millionen Kilometer Abwasserleitungen innerhalb von Gebäuden verlegt sind. In Fachkreisen wird sogar von einer viel höheren Gesamtlänge ausgegangen, so dass demnach mit über 20 Millionen Kilometern für sämtliche Schmutz- und Regenwasserohre in der Gebäudeentwässerung zu rechnen ist.

Bild 2: Blick auf Berlin, insgesamt gibt es 0,6 Mio. Gebäude in Berlin und 47,5 Mio. in der BRD
Bild 2: Blick auf Berlin, insgesamt gibt es 0,6 Mio. Gebäude in Berlin und 47,5 Mio. in der BRD

Kleine Nennweiten, Brandschutz und hohe Abwassertemperaturen…

Die Sanierung von Abwasserleitungen innerhalb von Gebäuden unterliegt besonderen technischen Anforderungen und strengen bautechnischen Regeln. So müssen Sanierungstechniken für die Gebäudeentwässerung u.a. in sehr kleinen Nennweiten einsetzbar sein (häufig ab DN 50). Zudem müssen die Verfahren bogengängig sein und Dimensionswechsel mitmachen können. Eine sehr wichtige bautechnische Anforderung an die Sanierungstechniken ist der Brandschutz. Sanierungstechniken müssen die Kriterien beim Verhalten im Brandfall für normalentflammbare Werkstoffe erfüllen (Baustoffklasse B2 gemäß DIN 4102). Außerdem sind die Eigenschaften mit Blick auf die Wärmebeständigkeit von Bedeutung. Bei Küchenabwässern zum Beispiel können kurzzeitig Temperaturen von über 80°C auftreten. 

Nur Verfahren mit DIBt-Zulassung zugelassen…

Neben den oben beschriebenen technischen Anforderungen sind gleichermaßen die rechtlichen Bestimmungen zu beachten. Welche Bauprodukte zur Sanierung von baulichen Anlagen, wie z.B. Abwasserleitungen innerhalb von Gebäuden, eingesetzt werden dürfen, ist durch die Bauordnungen der 16 Bundesländer geregelt.

Gemäß der Musterbauordnung des Bundes müssen Bauprodukte, für die technische Regeln in der Bauregelliste A nach Absatz 2 bekannt gemacht worden sind und die von diesen wesentlich abweichen oder für die es allgemein anerkannte Regeln der Technik nicht gibt (nicht geregelte Bauprodukte), eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (DIBt-Zulassung) haben. Dieser Passus findet sich in allen 16 Bauordnungen der Länder wieder und gilt dementsprechend bundesweit.

Aktuell 4 Schlauchlining und 4 Sprüh-Schleuder-Verfahren zugelassen…

Für die Sanierung von Abwasserleitungen innerhalb von Gebäuden sind derzeit acht Sanierungsverfahren durch das DIBt (Deutsches Institut für Bautechnik) bauaufsichtlich zugelassen. Dies betrifft insgesamt 4 Schlauchlining-Verfahren (z.B. BRAWOLINER® HT) und 4 Sprüh-Schleuder- bzw. Beschichtungsverfahren (z.B. Spray-Liner®). Derzeit ist durch das DIBt noch kein Kurzliner-Verfahren für die Sanierung innerhalb von Gebäuden bauaufsichtlich zugelassen.

Die Liste mit den zugelassenen Sanierungsverfahren für die Sanierung von Abwasserleitungen innerhalb von Gebäuden kann beim DIBt und www.dibt.de eingesehen werden.

Was wir aus Skandinavien lernen können…

Während die Märkte für die Inhouse-Sanierung in Deutschland kaum entwickelt sind, ist die grabenlose Sanierung von Abwasserrohren innerhalb von Gebäuden in Skandinavien seit mehr als 10 Jahren absoluter Standard. Beispielsweise wird der derzeitige Markt in Finnland von den Marktteilnehmern auf über 120 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2017 und über 1.000 Arbeitnehmern in mehr als 80 Unternehmen in diesem Bereich geschätzt. Zum Einsatz kommen als Sanierungstechniken sowohl Schlauchlining- als auch Sprüh-Schleuder-Verfahren.

Zur Entwicklung des deutschen Marktes können die Erfahrungen aus Skandinavien herangezogen werden:

Bild 3:	Sanierung einer Fallleitung mittels Schlauchlining vom Dach aus
Bild 3: Sanierung einer Fallleitung mittels Schlauchlining vom Dach aus
  • Verfahrenstechniken zur Sanierung ohne Stemm- und Aufbrucharbeiten müssen bei Immobilieneigentümern bekannt gemacht werden:
    Insbesondere der Weg über große Immobilieneigentümer und -betreiber erscheint dabei am erfolgversprechendsten (Wohnungsgesellschaften, Immobilienverwalter, Hotels, Krankenhäuser, etc.).
  • Proaktive Sanierung der Abwasserleitungen: In Deutschland ist es eher üblich, Abwasserleitungen erst im Schadensfall und dann häufig auch nur partiell zu sanieren bzw. zu erneuern (Feuerwehrstrategie). Anders in Skandinavien. Dort werden die Abwasserleitungen wie die Elektrik und Wasserleitungen nach einer üblichen Betriebsdauer von z.B. 50 Jahren proaktiv saniert bzw. erneuert.
  • Technik an die nationalen Anforderungen anpassen: Auch in Skandinavien wurde die Sanierungstechnik an die typische Bauweise der Skandinavier angepasst. Die Technik muss gleichermaßen auf den nationalen Standard in Deutschland angepasst werden.
  • Eigentümer und Firmen für die Arbeiten sensibilisieren:           
    Die Sanierung von Abwasserleitungen innerhalb von Gebäuden kann sehr sensibel im Kontakt mit den Bewohnern sein (z.B. bei Arbeiten in bewohnten Räumen). Dies erfordert neben dem handwerklichen Geschick bei der technischen Umsetzung der Sanierung auch eine hohe Kommunikationsleistung. 
  • Normen und Regelwerke müssen formuliert werden:     
    Die technischen Anforderungen zur Sanierung der Gebäude- und Grundstücksentwässerung müssen noch standardisiert werden und in das Regelwerk des DIN – Deutsches Institut für Normung überführt werden.

 

 

Die derzeitigen Herausforderungen am nationalen Markt waren vor 10 Jahren in Skandinavien gleichermaßen vorhanden. Technische und organisatorische Probleme wurden gelöst und die Sanierung der Gebäudeentwässerung ohne Stemm- und Aufbrucharbeiten als Standard etabliert. Grundsätzlich ist in Deutschland und EU-weit mit einem wachsenden Markt in der Sanierung der Gebäudeentwässerung ohne Stemm- und Aufbrucharbeiten zu rechnen.

Bild 4:	Erfahrungsaustausch unter den Teilnehmern
Bild 4: Erfahrungsaustausch unter den Teilnehmern

Weiterbildungsseminar wird am 2. Juli 2018 in Kassel wiederholt

Das Weiterbildungsseminar wird am 2. Juli 2018 in Kassel wiederholt. Die Teilnahme ist für Verbandsmitglieder kostenlos und auf maximal 18 Personen begrenzt. Bitte melden Sie sich unter info@vdrk.de an.

 

Haben Sie Fragen?

Sebastian Beck
GSTT AG Nr. 5 „Gebäude und Grundstücksentwässerung“

Sebastian.beck@brawoliner.de

Tel.: 0162 4176311