Markt für die Inhouse-Sanierung ist 47,5 Mio. Gebäude groß Teil 1: Sanierung von Abwasserrohren ohne Stemm- und Aufbrucharbeiten innerhalb von Gebäuden am Beispiel Finnland

Wie alles begann…

Feuchte Wände, modriger Geruch und Schimmelbildung sind häufige Schäden in Gebäuden. Die Ursache hierfür sind oft undichte Abwasserrohre, aus denen Abwasser oder Niederschlagswasser in das umgebende Mauerwerk austritt. Eine starke Minderung der Wohnqualität sowie damit einhergehende hohe Sanierungskosten sind nicht selten die Folge. In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass der Gebäudebestand immer älter wird und viele Entwässerungssysteme die übliche Nutzungsdauer bereits überschritten haben.

Bis Mitte der 2000er Jahre wurden schadhafte Abwasserleitungen innerhalb von Gebäuden in Skandinavien in traditioneller Bauweise erneuert. Zur Erneuerung dieser Abwasserleitungen wurden in der Regel Wände und Böden aufgestemmt und die alten Rohre durch neue ersetzt. Hohe Kosten und wochenlange Belästigungen für die Bewohner gingen mit den Arbeiten häufig einher.

BRAWOLINER-Sanierung von Fallleitungen über den Dächern Helsinkis
BRAWOLINER-Sanierung von Fallleitungen über den Dächern Helsinkis

Mit Einführung von Sprüh-Schleuder-Systemen zur grabenlosen Sanierung (Coating-Verfahren) Anfang der 2000er Jahre veränderte sich der Markt jedoch rapide. Immer häufiger wurden Abwasserlei-tungen innerhalb von Gebäuden ohne Stemm- und Aufbrucharbeiten saniert. Die ersten Dienstleister und Ingenieure, die anstelle des konventionellen Öffnens von Wänden und Decken das Coating-Verfahren eingesetzt haben, galten noch als Pioniere ihrer Zeit. Die Vorteile, wie insbesondere eine deutlich kürzere Bauzeit, weniger Störungen für die Anwohner, in der Regel keine Aufbruch- und Stemmarbeiten und damit einhergehend deutliche Kostenersparnisse haben sich aber schnell durch-gesetzt.

Im Jahr 2009 wurde für die Sanierung von Fallleitungen alternativ erstmals auch das Schlauchlining-Verfahren eingesetzt. Das Verfahren war aus der Sanierung von erdverlegten Leitungen sehr gut be-kannt und wurde für den Einsatz im Gebäude weiterentwickelt.
Somit war es möglich, die gesamte Abwasserrohr- und Leitungsinfrastruktur von Gebäuden und Grundstücken ohne Stemm- und Aufbrucharbeiten zu sanieren. Die Grundlage für die Marktentwicklung war geschaffen.

Die Schlauchlining-Technologie wird hierbei zur Wiederherstellung der Dichtheit, Funktionssicherheit und Stabilität eingesetzt. Sprühverfahren dienen insbesondere zur Sanierung von kleineren Nennwei-ten und zur Wiederherstellung der Dichtheit sowie dem Korrosionsschutz, wie z.B. in Nennweiten klei-ner DN150. Es findet meist dort Anwendung, wo das Schlauchlining-Verfahren an seine technischen und wirtschaftlichen Einsatzgrenzen stößt, etwa der Sanierung einer Leitung DN50 mit einer Vielzahl von Bögen.

120 Millionen Euro im Jahr Marktvolumen – alleine in Finnland

Nicht zuletzt durch eine Gesetzesinitiative der finnischen Regierung im Jahr 2010 wurde der Markt zur Inhouse-Sanierung insbesondere in Finnland kräftig angekurbelt. Während der Markt für die grabenlose Sanierung von Abwasserleitungen innerhalb von Gebäuden Anfang der 2000er Jahre quasi bei 0 Euro lag, wird der derzeitige Markt in Finnland von den Marktteilnehmern auf über 100 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2017 und über 1.000 Arbeitnehmern in diesem Bereich geschätzt.

Wenn diese Zahlen linear auf den deutschen Markt hochgerechnet werden, ergibt sich für den deutschen Markt ein theoretisches Marktvolumen von 3-6 Millionen Kilometer
Netzlänge (nur Inhouse) und 1,79 Milliarden Euro Umsatz im Jahr.

Typische Wohngebäude in Helsinki-Pehlajesto, einem Vorort von Helsinki
Typische Wohngebäude in Helsinki-Pehlajesto, einem Vorort von Helsinki

Inhouse-Sanierung mit BRAWOLINER in Helsinki-Pehlajesto

Die Fa. Picote Service Oy Ltd. aus Porvoo in Finnland saniert bereits seit über 10 Jahren Abwasserleitungen innerhalb von Gebäuden. Derzeit arbeiten über 50 Mitarbeiter in vier bis sechs Kolonnen tagtäglich an der Sanierung der Entwässerungssysteme sowohl bei großen Wohn- und Apartmentgebäuden sowie auch im Bereich von Ein- und kleineren Mehrfamilienhäusern. Zum Einsatz kommt nahezu ausschließlich das BRAWOLINER-Schlauchliner-Verfahren.

Seit April 2017 werden in Helsinki-Pehlajesto, einem Vorort der finnischen Hauptstadt, die Entwässerungssysteme von mehreren Wohngebäuden durch Picote Service saniert. Der Stadtteil zeichnet sich durch eine Vielzahl an mehrgeschossigen Wohn- und Apartmentblocks aus, die insbesondere in den 50er und 60er Jahren gebaut und fertiggestellt wurden.

In drei dieser Wohngebäude werden zwischen April und Oktober 2017 die kompletten Entwässerungsleitungen grabenlos saniert. In den Wohngebäuden, die Anfang der 70er Jahre fertiggestellt wurden, sind überwiegend PVC-Rohre der ersten Generation verlegt. In den letzten Jahren wurden bereits erste Schäden am Entwässerungssystem partiell repariert. Überwiegend handelt es sich dabei um Undichtigkeiten, die lokal von Eigentümern bzw. Mietern festgestellt wurden. Vor diesem Hintergrund und insbesondere vor dem Hintergrund, dass das Entwässerungssystem mittlerweile fast 50 Jahre alt ist und eine übliche Nutzungsdauer damit erreicht ist, haben sich die Eigentümer dazu entschlossen, das gesamte Netz zu sanieren. Zur Sanierung werden insgesamt über 1.700 Meter BRAWOLINER in den Nennweiten zwischen DN 50 und DN 200 eingesetzt. Die Kenndaten zur BRAWOLINER Inhouse-Sanierung in Helsinki-Pehlajesto sind in Tabelle 1 zusammengefasst.

Kenndaten zur BRAWOLINER Inhouse-Sanierung in Helsinki-Pehlajesto
Kenndaten zur BRAWOLINER Inhouse-Sanierung in Helsinki-Pehlajesto

„Proaktiv statt Reaktiv“ – Sanierungsstrategien in Skandinavien

Im Gegensatz zur in Mitteleuropa häufig angewendeten Feuerwehrstrategie (erst im Schadensfall sanieren, dann häufig auch nur punktuell), wird in Finnland und den anderen skandinavischen Ländern in vielen Fällen „proaktiv statt reaktiv“ gehandelt. Haben Entwässerungsnetze eine übliche Betriebsdauer erreicht oder überschritten, werden die Netze komplett saniert. Diese Vorgehensweise ist in Mitteleuropa und insbesondere in Deutschland vergleichbar z.B. mit Stromleitungen und der Elektrik in Wohngebäuden, die grundsätzlich auch alle 30 bis 40 Jahre erneuert wird bzw. werden soll.

Der Ablauf zur Beauftragung einer Sanierungsmaßnahme läuft wie folgt ab: Der Eigentümer der Immobile entscheidet sich zunächst für die komplette Sanierung der Entwässerungsanlage. Bei Eigentümergemeinschaften (z.B. Eigentumswohnungen) werden zunächst im Rahmen von Eigentümerversammlungen hierzu entsprechende Beschlüsse gefasst und bis zu fünf Eigentümersprecher gewählt. Der Eigentümer beauftragt ein spezialisiertes Ingenieurbüro mit der weiteren Planung. Dieses organisiert und begleitet die Angebotseinholung, Beauftragung, Bauausführung und -abnahme.

Fortsetzung folgt… Teil 2: Von der Planung bis zur Bauabnahme

Im zweiten Teil wird die gesamte Planung, Ausführung bis hin zur Abnahme beschrieben.